Politische Berichte Nr.01/2025 (PDF)14
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Paketpost-Areal in München – neue Aufwertungsrunde durch Hochhausplanung

Brigitte Wolf, München. Am 15. Januar 2025 beriet der Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung ausführlich über den Bebauungsplan für das Paketpost-Areal und die erforderliche Änderung des Flächennutzungsplans. Anfang Februar wird dann die Vollversammlung des Stadtrats damit befasst.

Im Westen Münchens, zwischen München-Pasing und der Donnersberger Brücke, sollen außer einem dicht gepackten urbanen Quartier noch zwei ca. 150 Meter hohe Hochhäuser entstehen. Das wären nach dem Olympiaturm die höchsten Bauwerke in München. In dem Viertel soll mit einer Geschossflächenzahl (GFZ) von 5,7 eine sehr hohe bauliche Dichte realisiert werden. Die Orientierungswerte für Freiflächen werden weit unterschritten, zudem soll ein großer Teil der „Freiflächen“ innerhalb der Paketpost-Halle entstehen, und damit überdacht. Die Hochhäuser sollen mit verschiedenen Nutzungen belegt werden, neben Büros und Wohnungen sind auch ein Hotel, Gastronomie und eine „Spieletage“ geplant, um ausreichend Spielflächen für die Kinder zu generieren. Denn im Freien reicht dafür der Platz nicht.

Bestandteil des Bebauungsplanes ist zudem die Sanierung und dauerhafte Erhaltung der denkmalgeschützten Paketposthalle.

Eine sehr große Mehrheit im Münchner Stadtrat ist begeistert von dem geplanten „Stadtzeichen“ – vom Oberbürgermeister über die Stadtbaurätin, von CSU über FDP, SPD bis zu den Grünen. OB Reiter meinte, die Stadt müsse sich immer weiterentwickeln, Stillstand sei nicht möglich. Viele im Stadtrat möchten München in einer Liga mit London, Paris oder New York sehen, das Projekt Paketpost-Areal soll dafür ein Startschuss sein.

Lediglich die Fraktionen ÖDP/München Liste und Die Linke/Die Partei lehnten die Hochhauspläne im Ausschuss ab. Wichtigstes Argument der Linken: Hohe Hochhäuser sind weder sozial noch nachhaltig, sie führen immer zu Luxusnutzungen und sind ein weiteres Signal an die Superreichen weltweit: Seht her, in München gibt es noch Angebote für Euch. Für die große Mehrheit der Münchnerinnen und Münchner steigt damit aber die Gefahr weiterer Verdrängung aus der Stadt. Bereits jetzt können sich viele in der Stadt nicht mehr halten.

Das Landesamt für Denkmalschutz ist ebenfalls ein gewichtiger Gegner der Höhenentwicklung. Es fordert eine Reduktion der Pläne auf maximal 60 bis 80 Meter, um das denkmalgeschützte Ensemble des Nymphenburger Schlosses nicht zu beeinträchtigen. Bei einer geplanten Bebauung vor ca. 15 bis 20 Jahren hatte dieses Argument noch Gewicht. Jetzt will sich die Stadt einfach darüber hinwegsetzen.

Gestoppt werden kann das geplante Luxusprojekt allerdings noch durch ein Bürgerbegehren, das in der Stadtplanung erfahrene Akteure bereits bei Bekanntwerden eingeleitet haben.

Die erforderlichen Unterschriften sind laut eigener Aussage inzwischen gesammelt worden. Nach der Bundestagswahl sollen sie beim Kreisverwaltungsreferat eingereicht werden. Es zeichnet sich aber ab, dass die Stadt die rechtliche Zulässigkeit in Frage stellen wird. Es gibt jedenfalls eine Reihe von Äußerungen dazu, unter anderem auch von Oberbürgermeister Reiter, der monierte, dass die Unterschriften mit unredlichen Mitteln gesammelt worden seien.

Falls es im Laufe des Sommers zu einem Bürgerentscheid kommt, ist zudem offen, wie die Stadt München darauf reagieren wird. Strittig ist im Stadtrat, ob dem Bürgerbegehren ein eigenes Ratsbegehren gegenüber gestellt werden soll, oder ob lediglich die Ablehnung der Stadt begründet wird. Zwischen den beiden Mehrheitsparteien Grüne und SPD besteht hier keine Einigkeit. Offen ist auch, wie sich CSU und FDP in dieser Frage positionieren werden.

Die Münchner Linke wird sich jedenfalls für den Erfolg des Bürgerbegehrens einsetzen, eine weitere Spirale der Aufwertung muss verhindert werden.

Abb. (PDF): Links: Die offiziell „Gleishalle des Paketpostamtes“ genannte Halle ist eine 1965 bis 1969 mit flachen Kreissegment-Bögen gebaute freitragende Betonfertigteilhalle, die mit einer Spannweite von 146,8 Metern, einer Höhe von 27,3 Metern und einer Länge von 124 Metern die damals weltweit größte ihrer Art war. Quelle: Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Paketposthallen. Rechts: Schattenwurf der geplanten 155-Meter-Hochhäuser an der Paketposthalle am 21. Dezember von 9 bis 16 Uhr im Zwei-Stunden-Takt. Quelle: https://hochhausstop.de/allgemein/