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Olympiabewerbungen Hamburg, Berlin, Ruhrgebiet, München. Wie positioniert sich Die Linke.
NRW: Noch nicht einmal ein Plan zur Bürgerbeteiligung
Wolfgang Freye, Essen
Auch NRW hat Ende Mai ein Konzept zur Bewerbung für Olympia eingereicht. Es setzt bewusst auf die Bewerbung mehrerer Städte – insgesamt sind es 19, überwiegend im Rheinland und im Ruhrgebiet. Darunter befinden sich die meisten Großstädte der Region wie Aachen, Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Essen und Köln. Segeln soll in Kiel-Warnemünde ausgetragen werden, der Kanu-Slalom in Markkleeberg in Sachsen. Das Konzept enthält Festlegungen, welche Sportarten wo ausgetragen werden sollen, bei wichtigen Festlegungen, wo z.B. das Olympische Dorf gebaut werden soll, bleibt es jedoch offen: Im Rennen sind nach wie vor sowohl Köln als auch Essen.
Im Wortlaut liegt die Bewerbung nicht vor, dafür war Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) auf einer Pressekonferenz der Landesregierung Ende Mai umso wortreicher in der Schilderung, wie toll es wird. Es sind vor allem zwei Argumente, mit denen er beim Olympischen Komitee für den Zuschlag für NRW wirbt: Erstens sei die Bevölkerung in NRW besonders sportbegeistert. Deshalb gäbe es für die Bewerbung einen „großen politischen Konsens … und eine hohe Akzeptanz in der Region“, und es sei mit hohen Zuschauerzahlen zu rechnen. Zweitens sei das Konzept nachhaltig, weil „95 % der notwendigen Sportstätten bei uns bereits bestehen oder nur temporär ertüchtigt oder errichtet werden müssten“.
Fraglich ist dabei, ob es zu den hohen Zuschauerzahlen aus der Region kommt. Ausdrücklich weist der Ministerpräsident z.B. darauf hin, dass die Schwimmdisziplinen im Schalke-Stadion in Gelsenkirchen ausgetragen werden sollen und beim Schwimmen noch nie so viel Zuschauerplätze zur Verfügung standen. Dadurch sind sie allerdings noch nicht besetzt, schon gar nicht aus der Region: Die Arena in Gelsenkirchen hat gut 62 000 Plätze, in Paris lagen die Eintrittspreise beim Schwimmen bei den Endrunden bei bis zu 300 Euro und Gelsenkirchen ist eine der ärmsten Städte der Bundesrepublik.
Auch der Hinweis auf die weitgehend vorhandenen Sportstätten ist fraglich. Die Arena in Gelsenkirchen ist ein Fußball-Stadion. Ein Umbau ist also notwendig, ganz abgesehen von den Anforderungen olympischer Sicherheitskonzepte, die wahrscheinlich nirgends voll erfüllt werden. Dazu passt es, dass die Landesregierung keine einzige konkrete Zahl zu den Kosten der nötigen „Ertüchtigungen“ oder Umbauten genannt hat. Ob das eingereichte Konzept valide Angaben enthält, ist nicht bekannt.
Auffällig ist des weiteren, dass die öffentlich bekannten Planungen nichts zu den vielleicht wirklich nachhaltigen notwendigen Änderungen an der Infrastruktur sagen. Der öffentliche Nahverkehr im Rhein-Ruhr-Raum als Ganzes ist erheblich schlechter als in vergleichbaren Metropol-Ballungsräumen, das ist seit vielen Jahren bekannt. Fachleute sind der Ansicht, dass das Regional- und S-Bahnnetz in NRW nicht in der Lage ist, die hohen Besucherströme zwischen den beteiligten Städten zu transportieren. Es gibt aber keine konkreten Aussagen dazu, welche Verbesserungen geplant und womöglich bis 2036 überhaupt umgesetzt werden könnten. Der RRX als Regionalzugsystem sollte Anfang der 2020er Jahre im 15-Minuten-Takt fahren, inzwischen ist von den 2030er Jahren die Rede.
Schließlich beteuert die Schwarz-Grüne Landesregierung zwar immer wieder, dass Olympia nur mit breiter Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger funktionieren kann. Die Landesregierung hat bisher aber keine Aussage dazu gemacht, wie und wann sie befragt werden sollen. Ein Volksentscheid auf Landesebene kommt eher nicht in Frage, da NRW als großes Flächenland nur teilweise beteiligt ist. Einzelne Ratsbürgerentscheide, die möglich wären, müssten aber gemeinsam „eingestielt“ werden und könnten nur von den Stadträten bzw. Kreistagen beschlossen werden.
Ob die Bewerbung so große Chancen hat, ist fraglich. Eine breite Diskussion findet zurzeit in NRW sowieso nicht statt. Die Pro-Olympia-Beschlüsse, die in den beteiligten Städten vor einigen Jahren auf der Tagesordnung standen, hat die Linke abgelehnt.
Abb. (PDF): Siehe auch: www.dielinke-nrw.de/parlament/rvr/detail-rvr/olympia-nur-mit-frueher-buerger-innenbeteiligung10/