Politische Berichte Nr.04/2025 (PDF)27a
Demokratie verteidigen

Fünf Prozent für die „teuflische Homolobby“

Karl-Helmut Lechner. Die derzeitige Situation um den Bremer Pastor Olaf Latzel ist weiterhin hoch umstritten und polarisiert Kirche und Öffentlichkeit. Wir hatten in den „Politischen Berichten“ mehrfach berichtet.

Im Oktober 2019 äußerte sich Pastor Olaf Latzel in einem gemeindeinternen Eheseminar abfällig über queere Menschen. Er sprach von „Genderdreck“, einer „teuflischen Homolobby“ und bezeichnete Teilnehmer des Christopher Street Day als „Verbrecher“. Diese Aussagen führten zu einem Strafverfahren wegen Volksverhetzung, das im Sommer 2024 gegen eine Geldauflage von 5 000 Euro eingestellt wurde. Die Bremische Evangelische Kirche (BEK) verhängte nun im Mai 2025 eine Disziplinarstrafe: Latzels Gehalt wird für vier Jahre um 5 % gekürzt. Die BEK hat sich mehrfach offiziell zur Causa Olaf Latzel geäußert. So betonte der Kirchenausschuss (KA) der Bremischen Evangelischen Kirche seine uneingeschränkte Achtung gegenüber der in der Verfassung der BEK festgeschriebenen Glaubens-, Gewissens- und Lehrfreiheit. Sie finde aber ihre Grenze dort, wo Menschen diskriminiert oder ausgegrenzt würden. Die Aussagen des Olaf Latzel seien unvereinbar mit den Grundwerten der Bremischen Kirche und der inklusiven Position der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die einbehaltenen Gelder sollen queeren Organisationen zugute kommen, die als Anlaufstellen für Betroffene dienen. Die St.-Martini-Gemeinde, in der Latzel tätig ist, lehnt die Strafe ab; sie will aber keine rechtlichen Schritte einleiten – aus dem Wunsch heraus, das „unsägliche Verfahren“ nach fünf Jahren zu beenden. In einer Stellungnahme betont die Gemeinde, dass dies „keine Anerkenntnis“ der Strafe sei – „im Gegenteil“. Denn sie wirft der Kirchenleitung vor, ihre Rechte verletzt und das Verfahren ohne Einbeziehung der Gemeinde geführt zu haben. Die St.-Martini-Gemeinde hält weiterhin an ihrer reaktionären Auslegung der Bibel fest: Praktizierte Homosexualität sei „gegen den Willen Gottes“. Man wolle sich „dem Zeitgeist entgegenstellen“ und „für die biblische Wahrheit kämpfen“.