NOlympia in NRW –Investitionen in Sport, Bildung, Soziales, Kultur und Verkehr
Jörg Detjen, Köln
Am 19. April finden in 16 Städten in Rhein-Ruhr Bürgerentscheide über eine Bewerbung zu den Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 statt. – Es geht um einen zweistelligen Milliardenbetrag: Für Spitzensport? Für ein Event? Für Breitensport? Für eine bessere Infrastruktur? Mehr Schulden für verschuldete Kommunen? Wieder Milliarden-Gewinne für das IOC?
Die Linke in NRW ist die einzige demokratische Partei, die eine Beteiligung an den Olympischen Spielen kritisch sieht. Sie will es sich nicht einfach machen. Völkerverständigung und friedlicher Wettbewerb sind für uns elementare Bestandteile der Freiheit. Olympischer und paralympischer Sport sind nicht wegzudenken. Sie fragt jedoch, wie sich das mit Breiten- und Schulsport verbinden lässt. Was passiert, wenn sich die Sportlerinnen und Sportler bei den Olympischen Spielen in NRW im Stau bewegen und nicht in den Sportstätten?
NRW hält die DOSB-Kriterien nicht ein
Beim Bürgerentscheid in München und in einer Umfrage in Hamburg und Berlin kamen sehr unterschiedliche Meinungen zum Tragen: In München stimmten über 60% für eine Bewerbung der Stadt. In Hamburg lehnten es 60% ab und in Berlin sogar 67%.
Die Linke NRW setzt sich konkret mit einer Rhein-Ruhr-Bewerbung auseinander
● Die Behauptung der NRW-Landesregierung, „90% der Athletinnen und Athleten können ihre Wettkampfstätten vom Olympischen und Paralympischen Dorf in rund einer Stunde erreichen“, ist schlichtweg falsch. Der Deutsche Olympische Sportbund DOSB macht eine klare Vorgabe: Kürzer als eine Stunde bzw. die Entfernung muss kleiner als 50 km sein. Wer in NRW lebt, weiß, dass ist nicht zu schaffen: Von Köln nach Dortmund sind es eben 88 km mit dem Auto und 70 Minuten mit dem Zug.
● Da die Athletinnen mit Pkw/Bussen transportiert werden und die Zuschauer überwiegend den ÖPNV nutzen, müsste die Straßen- und Schieneninfrastruktur gewaltig ausgebaut werden. Aber an dem Grundproblem der weiten Entfernung würde sich trotzdem nichts ändern, selbst wenn NRW die Fahne des Stau-Landes Nr. 1 abgeben könnte.
● Die Entfernungen vom Olympischen Dorf zu den Trainingsstätten sind in den Vorgaben des DOSB auf 30 Minuten festgesetzt. Das heißt, vielfach können die Wettbewerbsstätten für das Training nicht genutzt werden.
● Die Planungen für die Entwicklung des Kölner Stadtteils Köln-Kreuzfeld laufen seit vielen Jahren. Das hat mindestens zwei Millionen Euro gekostet. Die Planungen für ein olympisches Dorf und ein Olympiastadion müssen neu aufgesetzt werden. Hinzu kommt, dass die Anbindung an den ÖPNV linksrheinisch schlecht ist.
Ministerpräsident Wüst hat kein Strategie- und Finanzierungskonzept
Das Rechnungsprüfungsamt in Köln forderte Mitte Dezember im Rahmen der Kosten für die Durchführung des Bürgerbegehrens für die NRW-Bewerbung „zeitnah“ eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung für die Bewerbung zu den Olympischen und Paralympischen Spielen, damit „eine fundierte Entscheidung getroffen werden kann“.
Ministerpräsident Wüst erklärte am 17. Januar in der Presse, er gehe von 4,8 Milliarden Euro Durchführungskosten und 5,2 Milliarden Einnahmen aus. Damit liegen seine Prognosen um 27 % niedriger als die Spiele 2024 in Paris. Das ist abenteuerlich und kein Finanzkonzept.
Wird das Bürgerbegehren in NRW, das einen zweistelligen Millionenbetrag kostet, zu einer reinen Bauchentscheidung? Fatal, viele Bürgerbegehren wurden in NRW in der Vergangenheit abgeschmettert, weil die Finanzierung der Projekte nicht klar war.
Die Stadt München legte drei Wochen vor dem Bürgerentscheid ein Gutachten auf den Tisch: Investitionen von mehr als 20 Milliarden Euro sind nötig. Sechs Wochen hatten das städtische Sportreferat und die TU München an dem Gutachten gearbeitet. Die Investitionen nur für Verkehr betragen 14 bis 17 Milliarden Euro. Man kann sich schlecht vorstellen, dass die Kosten für NRW geringer sind. Bewerben sich doch 16 Kommunen mit einem viel größeren Gebiet als in München. Genau hier liegt das Strategieproblem. Für die Bewerbung für Olympische Spiele braucht man ein Konzept wie die Metropolregion Rhein-Ruhr zusammenwachsen kann.
Risiko und Vergleiche
In dem Münchener Gutachten werden Baukostensteigerungen von +10 % problematisiert. Gerade bei Großprojekten schießen die Kosten durch die Decke. Kostensteigerungen von 30 % sind nicht selten. Das ist kein grundsätzliches Gegenargument für eine Bewerbung, aber Fakten, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen.
Der französische Rechnungshof geht inzwischen von 6,6 Milliarden Euro Kosten für die Olympischen Spiele 2024 in Paris aus. 2023 rechnete man noch mit 2,4 Milliarden Euro. Also mehr als eine Verdoppelung der Kosten. Ein Vergleich mit Tokio 2021 mit 9,7 Milliarden Euro ist schwierig. Die Spiele fanden in der Zeit der Pandemie statt.
Fazit: Die Linke NRW hält eine NRW-Bewerbung für chancenlos und für unangemessen. Es gibt keine Strategie, es liegt weder eine Finanzkonzept vor noch ein Konzept für die Förderung des Breitensportes im Rahmen eines olympischen und paralympischen Wettbewerbs. Der Landessportbund NRW schätzt den Investitionsbedarf für die Sportinfrastruktur auf 3,6 Milliarden Euro. Darin ist nicht enthalten der Investitionsbedarf in Schulsport.www.nolympia-colonia.de/; www.fairspielen.de/category/nolympia/
Abb. (PDF): Abbildung: Entfernungen und Wegezeiten