Alarmstimmung bei Tesla
Bruno Rocker, Berlin. Die gegenwärtig auf eine Jahresproduktion von 375 000 Fahrzeugen des Modell Y ausgerichtete Gigafactory Grünheide nahe Berlin ist nicht mehr ausgelastet. Hintergrund ist der Absatzeinbruch in Europa. Lediglich 235 000 E-Autos konnten 2025 verkauft werden, also 40 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Wenn die Nachfrage nicht wieder anzieht, droht womöglich eine Verringerung der Kapazitäten in Grünheide. Bei den mehr als 11 000 Beschäftigten wächst die Verunsicherung. An die ursprünglich von Elon Musk verkündeten Produktionsziele von jährlich 500 000, nach einer weiteren Ausbaustufe sogar eine Million Fahrzeugen, mag wohl sowieso kaum noch jemand glauben. Aber was darf in 2026 real noch erwartet werden? Eine Rolle für die Stimmungslage spielt auch das Verhältnis der Konzernführung zu den Gewerkschaften.
Propaganda gegen die IG Metall
Wiederholt hat sich der Tesla-Geschäftsführer Thierig in Grünheide kategorisch gegen Verhandlungen mit der IG Metall über einen Tarifvertrag gewandt und zuletzt betont, dass man noch nie mit der IG Metall verhandelt habe und das auch in Zukunft nicht tun werde. Dass man nicht mit Gewerkschaften zusammenarbeiten wolle, sei eine Position, die der Konzern weltweit vertritt, hieß es. Die IG Metall hatte im Dezember über öffentliche Erklärungen versucht, eine Diskussion auf der Betriebsversammlung einzufordern. Die Werksleitung verweigerte sich auch dort jeglicher Diskussion.
Betriebsratswahl 2026
In einer Sendung des rbb-Rundfunksenders vom 28.12.2025 wurde Tesla-Geschäftsführer
Thierig mit den Worten zitiert: „Ich kann mir persönlich nicht vorstellen, dass die Entscheidungsträger in den USA den Ausbau der Fabrik weiter vorantreiben, wenn die Wahl mehrheitlich Richtung IG Metall ausfällt.“
Diese Aussage kann durchaus als Drohung verstanden werden. Gegenwärtig stellt die IG Metall zwar die größte Gruppe, aber nicht die Mehrheit im Betriebsrat. Die Mitglieder der IG Metall ringen um das Vertrauen der Beschäftigten und werben um Stimmen bei der Wahl, um dem Druck der Geschäftsführung etwas entgegenzusetzen.