Politische Berichte Nr.04/2024 (PDF)20b
Gewerkschaften/Soziale Bewegung

Das Bündnis gegen Dauerbefristung in der Wissenschaft hat am 12. Juni 64 000 Unterschriften an den Bundestags-Ausschussvorsitzenden übergeben

Petitionsbündnis: (Wir dokumentieren aus der Petition. PB) Wir sind auf eine starke Wissenschaft angewiesen, zum Beispiel um die sozialen und technologischen Herausforderungen von Klimakrise oder Digitalisierung zu meistern. Das geht nur mit fairen Arbeitsbedingungen – doch viele Wissenschaftler*innen an Hochschulen und öffentlichen Forschungseinrichtungen arbeiten in prekären Verhältnissen. Fast neun von zehn wissenschaftlichen Angestellten an Universitäten sind befristet beschäftigt, 42 Prozent der Arbeitsverträge haben eine Laufzeit von unter einem Jahr. Planbarkeit für Lebenswege oder anspruchsvolle Projekte gibt es so nicht. Das muss sich ändern.

Der vorliegende Entwurf zur Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes bleibt weit hinter den eigenen Versprechen der Ampel-Koalition zurück. Frau Ministerin Stark-Watzinger, die prekären Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft lassen sich so nicht bekämpfen. Wir fordern jetzt vom zuständigen Bundestagsausschuss für Bildung und Forschung: Überarbeiten Sie den Entwurf grundlegend und bringen Sie eine echte Reform auf den Weg!

Im Einzelnen fordern wir:

• Verträge für Promovierende, die den tatsächlichen Promotionszeiten entsprechen – also sechs, mindestens jedoch vier Jahre Regellaufzeit

• Dauerstellen für Daueraufgaben in Lehre und Forschung: Zeitverträge sind nur für die Qualifizierungsphase gerechtfertigt – diese ist mit der Promotion abgeschlossen

• Nach der Promotion entweder unbefristete Beschäftigung oder eine verbindliche Zusage zur Entfristung bei Erfüllung festgelegter Kriterien

• Die Streichung der Tarifsperre ohne Wenn und Aber: Gewerkschaften und Arbeitgeber müssen Verbesserungen für die Beschäftigten aushandeln dürfen – so wie in anderen Branchen auch

• Einen verbindlichen Nachteilsausgleich bei Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen, Behinderung und chronischer Erkrankung sowie bei Nachteilen aus der Coronapandemie

• Eine Regelvertragslaufzeit von mindestens zwei Jahren für studentische Beschäftigte

Warum ist das wichtig?

Immer mehr Wissenschaftlerinnen wechseln wegen der Dauerbefristung in andere Branchen oder ins Ausland. Das wollen wir stoppen. Der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung vorgelegte Entwurf ist hierfür nicht geeignet, insbesondere für promovierte Wissenschaftlerinnen drohen sogar Verschlechterungen. Deshalb brauchen wir mehr öffentlichen Druck (…)

Dem Petitionsbündnis gehören an: – Arbeitnehmerkammer Bremen – Arbeitskammer des Saarlandes – Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen (bukof) – Bundesweites Netzwerk Studentischer Tarifvertragsinitiativen (TVStud) – Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) – Deutsche Gesellschaft Juniorprofessur e.V. (DGJ) – freier zusammenschluss von student*innenschaften (fzs) – Gesamtbetriebsrat der Fraunhofer-Gesellschaft – Gesamtbetriebsrat der Max-Planck-Gesellschaft – Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) – Network of Doctoral Researcher Networks (N²) – Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft (NGAWiss) – Personal- und Betriebsräte der Helmholtz-Gemeinschaft (PBHGF) – Personal- und Betriebsräte der Leibniz-Gemeinschaft – Koordinierungsgruppe (PBL) – RespectScience – Thesis – interdisziplinäres Netzwerk für Promovierende und Promovierte e.V. – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) – Zusammenkunft aller Physikfachschaften (ZaPF) Quelle: https://weact.campact.de/petitions/stoppt-die-dauerbefristung-in-der-wissenschaft

Abb. (PDF): Kampagnenbanner