Politische Berichte Nr.04/2024 (PDF)21c
Gewerkschaften/Soziale Bewegung

IG Metall: Kaufkraft stärken – Konjunktur stützen

Bruno Rocker, Berlin. Mitte September starten die Bezirke der IG Metall die Verhandlungen über neue Entgelt-Tarifverträge. Die aktuellen Verträge laufen zum 30. September aus, am 28 Oktober endet die Friedenspflicht. Danach werden Warnstreiks möglich. Die Erwartungen in der Mitgliedschaft bilden diesmal eine ungewöhnlich breite Spanne ab. So hatten in einer Umfrage etwa ein Drittel für Forderungen von höchstens 6 Prozent, ein weiteres Drittel allerdings auch für 8 Prozent und mehr plädiert. Nach den Beschlüssen der regionalen Tarifkommissionen ziehen nunmehr Christiane Benner und das neugewählte Führungsteam mit Forderungen nach 7 Prozent mehr Geld für Beschäftigte und 170 Euro mehr für Auszubildene in die Auseinandersetzung. Ergänzend fordert die IG Metall die Ausweitung der bestehenden Wahloptionen zwischen Zeit und Geld für Vollzeitbeschäftigte mit Schichtarbeit, Pflege- oder Erziehungsaufgaben auf mehr Personen und Themen.

Die Tarifbewegung betrifft knapp vier Millionen Beschäftigte in exportorientierten insgesamt krisenhaften Branchen. So ist die Ausfuhr der deutschen Industrie laut den Monatsberichten der Deutschen Bundesbank rückläufig. Sie sank im Mai gegenüber dem Vorjahresmonat in die übrigen Länder der EU um 2,5 %, in die USA um 2,9 %, nach China um 10,2 % und nach Großbritannien um 11,7 %. Auch die Einfuhr ist im Mai gegenüber dem Vormonat um 6,6 Prozent zurückgegangen. Zugleich ist die Situation in den einzelnen Unternehmen durchaus unterschiedlich. Die Gewerkschaft pocht jetzt auf massive Investitionen und verlangt im Sinne der Stärkung der Binnennachfrage deutlich höhere Löhne für die Beschäftigten in den Schlüsselbranchen Automobil, Maschinenbau und Elektroindustrie. Insbesondere die Ausbildungsvergütungen sollen als Maßnahme gegen den Fachkräftemangel überproportional ansteigen.

Teilweise ist auf die Forderung der IG Metall auch verwundert mit der Aussage nur 7 Prozent? reagiert worden. Es gehört allerdings tatsächlich nicht zum Stil der IG Metall, lauthals hohe zweistellige Forderungen zu propagieren und am Ende einen Tarifvertrag mit langer Laufzeit, vielen Einzelschritten über lange Jahre, hinzunehmen.

Abb. (PDF): Logo IG Metall