Politische Berichte Nr.04/2024 (PDF)28b
Demokratie verteidigen

TikTok und die (extreme) Rechte

Olaf Argens. Schmitten/Hessen. Die Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt/Main beschäftigt sich schon länger mit Medienpädagogik, Trends, Strategien und Ästhetik in der Social Media-Kommunikation. Nachdem sich spätestens mit der Studie „Jugend in Deutschland 2024“ gezeigt hat, dass ein erheblicher Anteil der Erstwähler:innen mit der AfD sympathisiert, und die Zustimmungswerte auch mit der Präsenz rechtsextremer Akteure auf Social-Media, insbesondere auch der AfD, in Zusammenhang gebracht werden, hat die Bildungsstätte jetzt eine Untersuchung über die unter Jugendlichen aktuell beliebteste Kurzvideo-Plattform TikTok veröffentlicht .

(www.bs-anne-frank.de)

Den Autoren:innen geht es darum zu verstehen, wie der Konsum von Inhalten der Plattform zur Bildung und Festigung rechtsradikaler Meinungen beiträgt. Dabei wird vorausgesetzt, dass es hier keinen linearen Zusammenhang gibt. Vielmehr geht es um eine Gemengelage aus unzureichendem historisch-politischen Wissen, Aufmerksamkeitsökonomie, Social Media Logiken und der Komplexität von Krisen und Konflikten. TikTok fungiert als Suchmaschine, Nachrichtenquelle, Hausaufgabenhilfe, Kontaktplattform, Messengerdienst und Unterhaltungsplattform. Sie ist stark algorithmisch getrieben, KI generiert und unterscheidet sich insofern von Instagram, wo Followerschaft und Netzwerk maßgeblich bestimmen, was beim Nutzer ankommt.

Dazu drei Beispiele: (1) Als Test wird das Suchwort „Gaza“ eingegeben. Mit wenigen Klicks gelangt man von Israel bezogenem Antisemitismus zur AfD. (2) Die rassistische Textzeile, die einem Sylter Club auf die Melodie „L‘amour toujours“ gesungen wurde, ist seit längerem ein Erkennungszeichen rechter Gruppen auf der Plattform. Originalinhalte können durch Re-Uploads massenhaft verbreitet werden, ggf. mit Musik und neuen Untertiteln. Auf diese Weise ist ist es leicht möglich, die Vorgaben der Plattform zu umgehen. (3) Maximilian Krah inszeniert sich auf der Plattform als Kümmerer, rechte Vaterfigur und Welterklärer (Originalton: echte Männer sind rechts; unsere Vorfahren waren keine Verbrecher.)

Ungeachtet der rechten Dominanz plädiert die Bildungseinrichtung dafür, die Plattform nicht einseitig als Gefahr oder Leitmedium der Zukunft zu betrachten. In der Medienpädagogik geht es darum, die Bedeutung von Emotionen, Ästhetik und indirekter Kommunikation zu durchschauen. Demokratische Inhalte sollten verstärkt in die Netzwerke getragen werden und dort präsent sein.

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