Politische Berichte Nr.02/2025 (PDF)11b
Globale Debatten - UN Initiativen

Kiribati – zwischen Mächten und Menschen

Edda Lechner, Norderstedt

Kiribati liegt unter den rund ein Dutzend selbständigen Staaten im Pazifik direkt am Äquator und in der Mitte des Pazifischen Ozeans. Es ist von den typischen Problemen dieser Inselwelt betroffen: seine drei Inselgruppen und 33 Atolle mit rund 100 000 Einwohnern (vorrangig Mikronesier) auf 810 Quadratkilometer Fläche waren bis 1979 eine britische Kolonie. Das bedeutet, das Land hat eine geringe eigenständige wirtschaftliche Entwicklung vorzuweisen und ist mit einem extrem niedrigen Bruttoinlandprodukt von etwa 1300 US-Dollar pro Kopf auf die Unterstützung anderer Länder angewiesen. Seine Einfuhren an Nahrungsmitteln, Maschinen und Brennstoffen übersteigen den Export um ein Vielfaches, nur mit der Produktion und dem Verkauf von Fisch und Kopra schaffen sie einen geringen Ausgleich. Das bedeutet — wie für die meisten dieser Inselstaaten — stetige, wenn auch wechselnde Abhängigkeit von den großen Weltmächten rund um die Region: vor allem von den USA, China und Australien – mit stets wechselnder Bedeutung!

Aktuell sieht die Lage derzeit folgendermaßen aus: Für die USA liegt Kiribati günstig in der Nähe der amerikanischen Hawaii-Inseln und ist seit dem Zweiten Weltkrieg im Kampf gegen Japan und durch seine Atomtests während des Kalten Krieges ein bevorzugtes Gebiet für seine militärischen Interessen. Deshalb liefern sie der bisher loyalen Regierung im Rahmen von verschiedenen Programmen – z.B. dem „Südpazifik-Thunfisch-Programm“ und dem „Millennium Challenge Corporation“ – Geld für den Schutz der Küstenfischerei und eine dazu nötige berufliche Ausbildung.

Nachdem Kiribati 1997 zunächst Beziehungen mit der Volksrepublik China unterhielt, wechselte es 2003 zur Anerkennung Taiwans über. Unter der Regierung des Präsidenten Maamau, der gerade seine dritte Amtszeit angetreten hat, wurden 2019 wieder offizielle Beziehungen zu Chinas aufgenommen. 2020 besuchte Taneti Maamau persönlich Staatschef Xi Jinping in Peking und traf mit ihm mehrere Abkommen zur Seidenstraßeninitiative, was die finanzielle Unterstützung von 161 Millionen US-Dollar einbrachte. Außerdem erhielt Kiribati von der Volksrepublik Hilfe für die Fischerei, medizinische Dienste, Entsalzungssysteme, Gemeinschaftsgärten und Polizeiunterstützung. Als Peking 2021 anbot, eine Landebahn aus dem Zweiten Weltkrieg auf der Insel Kroton zu modernisieren, löste dies allerdings Alarm in Washington aus.

Australien und Neuseeland sind die beiden Staaten, in die häufig auf Grund der schwierigen sozialen Lage und der Arbeitslosigkeit in Kiribati viele junge Menschen auswandern (was übrigens für weitere pazifische Staaten gilt). Australien ist bisher auch der größte Geldgeber Kiribatis gewesen. Seit der intensiven Kontakte des Inselstaates mit China zeigt dieser Kontinent sich aber zurückhaltender. Ein im vergangenen Jahr geplantes gemeinsam Partnerschaftsabkommen wurde verschoben. Dem ging voraus, dass australische Beamte und ein Marineoffizier die beantragten Visa von Kiribati verweigert wurden.

Nach Erfahrung und Meinung der Oppositionsführerin Lambourne ist Kiribati mit seiner Regierungsform und der bisherigen Politik unter der Führung des Präsidenten Maamu ein von Autoritarismus und Isolationismus geprägtes Land. Es herrsche im Prinzip ein Einparteiensystem, unliebsame Politiker würden abgeschoben und es mangele an Pressefreiheit und richterlicher Unabhängigkeit. Die Fürsorge für das unterentwickelte und krisenanfällige Land ist mangelhaft. Hingegen organisieren innerhalb des Landes aktive Bevölkerungsgruppen und Nichtregierungsorganisationen, z.B. die Green Hope Foundation, notwendige soziale und ökonomische Veränderungen. So werden die enormen Folgen des Klimawandels wie steigende Temperaturen, Dürren und schwindende Süßwasserquellen von örtlichen Aktivisten bekämpft. Frauengruppen und indigene Gemeinschaften sorgen dafür, dass der Mangel und die Verunreinigungen des Wassers beseitigt und sein Transport gesichert werden. Durch die Stiftung solarbetriebener Wasserfarmen und organisierter Workshops konnte die Bevölkerung ihren Wasserschutz in mehreren Dörfern selbst in die Hand nehmen. Wie auch anderswo in der Welt: die von der Klimaveränderung und sozialen Problemen betroffenen Menschen an der Basis nehmen die notwendige Umstrukturierung ihres Landes selbst in die Hand, während die eigene Regierung und die politisch-militärischen Weltmächte von anderen Interessen bewegt wird.

Abb. (PDF): https://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Kiribati Uno Mitglied seit 1998