Auf dem Jerusalemer „Friedensgipfel“ fordern Tausende ein Ende des Gaza-Krieges
Ulli Jäckel, Hamburg
Organisiert von der It’s Time Coalition, einem Bündnis von über 60 zivilgesellschaftlichen Organisationen für Frieden, Versöhnung und Zusammenleben, kamen am 8. und 9. Mai über 5000 Menschen im Jerusalem International Convention Center zusammen, um die Beendigung des Krieges und eine politische Lösung zu fordern und über Perspektiven des zukünftigen friedlichen Zusammenlebens zu beraten.
„Wir sind hier, um ein starkes Friedenscamp aufzubauen“, begann der israelische Schauspieler und Moderator Yossi Marshek die Vormittagssitzung. Danach kam der Pilot zu Wort, der vor ein paar Wochen einen viel diskutierten Brief veröffentlicht hatte, unterzeichnet von Hunderten von ehemaligen oder aktuell im Dienst stehenden israelischen Soldaten. Darin prangerte er die inakzeptablen Kriegshandlungen gegen vorwiegend zivile Ziele an und forderte einen sofortigen Waffenstillstand.
Der französische Präsident Emmanuel Macron sowie der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, drückten in einer aufgezeichneten Ansprache ihre Unterstützung für die Veranstaltung aus. Macron lobte die Konferenz als „Signal der Hoffnung in einer Zeit des Schmerzes“. Er bezeichnete die Zweistaatenlösung als „einzige Möglichkeit für Frieden und Sicherheit für alle“ und wies darauf hin, dass Frankreich im Juni gemeinsam mit Saudi-Arabien den Vorsitz einer entsprechenden Konferenz übernehmen werde. Ex-Premierminister Ehud Olmert warb für einen neuen Plan für eine Zweistaatenlösung, den er und der ehemalige PA-Außenminister Nasser al-Kidwa ausgearbeitet hatten. Dieser forderte ein Ende des Siedlungskolonialismus sowie die Übergabe der Verwaltung des Gazastreifens an die Autonomiebehörde. Die Labour-Abgeordneten Gilad Kariv und Naama Lazimi verurteilten nicht nur den anhaltenden Krieg, sondern auch die „faktische Annexion“ des Westjordanlands durch die Regierung.
„Tausende Menschen glauben an die Alternative, die wir vorschlagen – eine Alternative, in der niemand unter Belagerung und Besatzung lebt, in der niemand unter Hunger und Vertreibung leidet, eine Zukunft, in der wir alle frei und gleich sind. Die Lage in Gaza ist katastrophaler denn je – die israelische Regierung verweigert weiterhin Hilfe, und immer mehr Palästinenser sind vom Hungertod bedroht. Wir wissen, wie leicht man das Gefühl hat, nichts tun zu können, aber wir dürfen nicht der Verzweiflung nachgeben. Es geht ums Überleben – und wir müssen weiterhin alles tun, um dem ein Ende zu setzen.“ (Standing Together, führend an der Organisation beteiligt).
Kritik an der Veranstaltung kam von Orly Noy, Vorsitzender der Menschenrechtsorganisation B´Tselem: „Was nützen Dialogworkshops, Diskussionen über die Heiligkeit Jerusalems, interreligiöse Gebete oder Podiumsdiskussionen zu politischen Lösungen, während ein Völkermord wütet? Das sind privilegierte Ablenkungen, die wir uns nicht länger leisten können. Um die Realität zu verändern, müssen wir zunächst ihren Schrecken direkt ins Auge blicken und sie ohne Zögern benennen. Wenn diese Konferenz nicht einmal ein einziges Podium zum Völkermord in Gaza einberufen kann, geschweige denn ein Ende der Mittäterschaft fordern kann, wie kann sie dann hoffen, den Wandel voranzutreiben, den sie angeblich anstrebt?“
Am 18.Mai schreibt Rula Daood von Standing Together: „Heute sind wir von Sderot zur Grenze zu Gaza marschiert, um gegen die brutale Vernichtungskampagne unserer Regierung in Gaza zu protestieren! Hunderte jüdische und palästinensische Aktivisten marschierten gemeinsam und forderten ein vollständiges Ende dieses katastrophalen Krieges und die sofortige Rückgabe aller Geiseln. Ben Gvirs Polizei rückte mit voller Kraft aus, griff Demonstranten an und nahm Festnahmen vor – darunter auch unseren Co-Direktor Alon-Lee Green, der sich noch immer in Polizeigewahrsam befindet. Dies ist ein Notfall. Netanjahu und seine extremistischen Minister weiten den ohnehin schon katastrophalen Krieg in Gaza aus, um den Gazastreifen zu besetzen und Palästinenser in Lager in Rafah zu zwingen.“ Inzwischen hat ein Gericht Hausarrest über die Inhaftierten verhängt.
Quellen: https://www.timeisnow.co.il/english ; https://www.timesofisrael.com/thousands-demand-end-to-gaza-war-two-state-solution-at-jerusalem-peace-summit/ ; https://www.pressenza.com/de/2025/05/unzaehlige-israelis-und-palaestinenser-versammeln-sich-um-frieden-jetzt-zu-fordern/ ; https://www.standing-together.org/en/2023war ; https://www.972mag.com/israeli-left-peace-summit-genocide/