Stellenabbau und gewerkschaftliche Initiativen
Bruno Rocker, Berlin
In der Bundesrepublik sind 2024 viele Stellen abgebaut worden in fast allen Branchen der Industrie. Gegen Ende des Jahres gab es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hierzulande noch 5,5 Millionen Beschäftigte. Das waren fast 70000 weniger als im Jahr zuvor und 200000 weniger als 2018. Viele Ökonomen sehen die deutsche exportorientierte Industrie vor allem durch die geopolitischen Verschiebungen unter starken Druck. Die USA als auch China suchen durch Subventionen und Protektionismus ihre eigene Industrie zu stärken.
Laut einer durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY bereits im März veröffentlichten Studie dürften in der Bundesrepublik bis zum Jahresende 2025 weitere 100000 Industriearbeitsplätze verloren gehen.
Im März hatten Vorzieheffekte aufgrund der angekündigten US-Zölle noch für ein Zwischenhoch gesorgt. Inzwischen jedoch drücken die gegenteiligen Effekte die Produktion ins Minus. Die Krise in der Industrie hat schon seit Längerem eine Debatte über den Standort entfacht. Einige sprechen bereits von einer Deindustrialisierung. Die Autobranche kämpft aktuell weiter mit der der niedrigeren Nachfrage, vor allem nach Elektroautos. Im Maschinenbau fehlen gleichfalls die Aufträge.
Die Gewerkschaft IG Metall verzeichnet große Verunsicherungen und sinkende Mitgliederzahlen. Von den 2018 noch 2,27 Millionen Mitgliedern der IG Metall sind zum Jahresanfang 2025 noch knapp 2,1 Millionen verblieben, neuere Zahlen liegen noch nicht öffentlich vor.
In dieser schwierigen Lage suchen die Vorsitzende und der zweite Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner und Jürgen Kerner, den direkten Kontakt und das Gespräch mit den IGM-Mitgliedern. Mit einem neuen Format wandten sie sich Ende Juni auf zwei Terminen über YouTube zusammen mit zwei Betriebsräten direkt an alle Mitglieder, die sich für das „Online-Treffen“ angemeldet hatten. Den beiden Vorstandsmitgliedern ging es darum, die Stimmung wahrzunehmen, wie sie sagten. Den Teilnehmern war es möglich gemacht worden, die Diskussion live zu kommentieren oder auch Fragen zu stellen. Gleichfalls war es möglich, aus dem Studio Fragen an die Teilnehmer zu richten.
Themen aus der Diskussion:
● Die IG Metall wird sich gegenüber der Politik dafür einsetzen, dass auswärtige Konzerne, die in Europa Industrieprodukte verkaufen wollen, auch hier in Europa produzieren und entsprechend Lieferketten einrichten.
● Die IG Metall und Betriebsräte sehen etliche Arbeitgeber überfordert, wenn es darum geht, auf die veränderte Wettbewerbssituation zu reagieren. Die IG Metall wird die Betriebsratswahlen 2026 auch nutzen, um Kreativität und Initiativen aus der Belegschaft zu fördern. (z.B. mehr Wertschöpfung durch Batterie-Forschung)
● Die IG Metall gründet ein KI-Institut und berät Betriebsräte in allen Fragen der Entwicklung und des Einsatzes von künstlicher Intelligenz im Betrieb.
● Die IG Metall greift das Anliegen vieler Mitglieder für Tarifbestandteile ausschließlich für Mitglieder auf.
Abb. (PDF): www.igmetall.de/politik-und-gesellschaft/weil-du-zaehlst-live-talk, Logo