„Sprachkampf“ von rechts
Olaf Argens, Schmitten/Hessen.
Vor drei Jahren veröffentlichte Henning Lobin, Direktor des Instituts für deutsche Sprache in Mannheim, im Dudenverlag eine lesenswerte Analyse über die Sprachpolitik der Neuen Rechten, insbesondere der AfD.1
Der Autor zeigt, dass es ihnen nicht um die Sprache als solche geht, sondern um das, was durch sie politisch ausgedrückt wird. Das Buch behandelt also nur am Rande wissenschaftlich linguistische Kontroversen. Im Zentrum stehen die aktuellen Diskurse – Lobin nennt sie Sprachkämpfe –, die sich mit Themen wie der Rechtschreibreform, Anglizismen, Deutsch im Grundgesetz und in der EU, politische Korrektheit und insbesondere gendergerechter Sprache und Schreibweise verbinden. Lobin legt dar, dass identitäre Sprachpolitik für die Neue Rechte einen wesentlichen Bestandteil kultureller Identitätspolitik ausmacht.
Sprachkämpfe existierten bereits lange bevor es die deutsche Nation überhaupt als Staatsgebilde gab. Kampagnen gegen Eindeutschungen, die für die Entwicklung der Sprache wichtig waren, hatten stets die Abgrenzung des Eigenen von den Nachbarn zum Ziel.
Umtriebiger Akteur in den aktuellen Auseinandersetzungen ist der 1997 gegründete Verein deutsche Sprache (VDS). Der einflussreiche Verein betreibt sprachpolitische Kampagnen, in letzter Zeit vor allem gegen eine geschlechtergerechte Sprache und eine angebliche Schreib-, Sprech- und Denkwillkür. Seine Versuche, die Meinungsbildung in den Parlamenten zu beeinflussen, verdeutlichen, welche überragende Rolle der Auseinandersetzung um die Sprache als Scharnierthema für Rechte und Konservative zukommt. Vor allem die AfD tritt immer wieder mit einschlägigen parlamentarischen Initiativen hervor, in denen es um die deutsche Sprache als angeblich prägendes Element deutscher Identität geht.
Lobin knüpft in seinem Fazit bei den Gebrüdern Grimm an, die dafür eintraten, dass sich die Sprache frei entwickeln sollte. Patriotische Sprachpflege lehnten sie ab. Bei der Wortwahl gilt dem Autor Respekt und Höflichkeit als Maßstab. Der geschlechtergerechten Sprache kommt dabei eine positive Symbolwirkung zu. Ein Umkehrschluss ist allerdings nicht zwingend. Für den Genderstern als Symbol geschlechtlicher Vielfalt gibt es bis jetzt keine sprachsystematische Ausdrucksform.
1 Henning Lobin, Sprachkampf – wie die Neue Rechte die deutsche Sprache instrumentalisiert, 164 Seiten.