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Fidschi: Konflikte in der Haltung zu Israel und Palästina
Edda Lechner, Norderstedt. Wie sehr bei den gegenwärtigen konträren Positionen zum Konflikt zwischen Israel und Hamas/Palästina religiöse, staatliche und politische Voreingenommenheit eine Rolle spielen, wird an einem Beispiel aus dem Bereich des pazifischen Staates Fidschi deutlich. Dort kommt es seit den Angriffen der Hamas auf Israel und der israelischen Militäraktion im Gaza-Streifen zu besonders harten Auseinandersetzungen über entgegengesetzte Positionen und Stellungnahmen zu diesen Ereignissen.
Die Regierung Fidschis hatte sich nach dem Terrorargriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 sofort uneingeschränkt hinter Israel gestellt und sich bereits am 23. Oktober gegen eine Resolution der Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) auf eine sofortige Waffenpause gestellt. Zu ihnen gehörten auch Mikronesien, die Marshall-Inseln, Nauru, Tonga und Papua-Neuguinea. Alle anderen Pazifikstaaten enthielten sich der Stimme, Samoa blieb der Abstimmung fern.
Begründet wird diese uneingeschränkt pro-israelische Haltung der Regierung Fidschis vor allem mit religiösen Voraussetzungen: Auf Fidschi sind etwa 50% der Bevölkerung protestantisch-methodistisch und 9% katholisch, die andere Hälfte der Bevölkerung ist hingegen zu 35% hinduistisch und zu 6% islamisch. Israel ist für die Christ*Innen – wie sie sich vor allem in der Regierung befinden – laut Bibel „das auserwählte Volk Gottes“ und sie halten es für ihre Pflicht, an der Seite des heutigen Staates Israel zu stehen. Das führte – anders als auf den benachbarten Inselstaaten – zu harten Auseinandersetzungen mit den sozialen Medien und den zivilrechtlichen Organisationen und es kam zu starken Protesten auf der Straße. Diese – vor allem auch jüngere und städtisch geprägte Menschen – forderten mehr Solidarität mit den Menschen in Gaza. Zur stärksten Kritikerin der regierungsöffentlichen Position zählt die bekannte Leiterin der „Fiji Womens Chrisis Center“, Shamima Ali, deren Name allein schon ihren religiösen islamischen Standort widerspiegelt.
Daraufhin nahm die Regierung Fidschis bei den folgenden Abstimmungen in der UN-Generalversammlung die Position für einen sofortigen Waffenstillstand zwischen den beiden Parteien ein. Im Februar 2024 spitzte sich die politische Kontroverse jedoch erneut zu, als einer der Rechtsanwälte vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag, Fidschi vorwarf, neben den USA das einzige Land zu sein, das Israel in einem laufenden Verfahren unterstütze. Es handelte sich dabei um ein Rechtsgutachten zur völkerrechtlichen Lage im Westjordanland, gegen dessen Erstellung sich Fidschi zu Wort gemeldet hatte. Dies rief sofort auch im eigenen Land eine erneute Welle des Protestes hervor – in diesem so fern von den Ereignissen im Nahen Osten gelegenen Inselstaat.
KritikerInnen der Regierung und ihrer pro-israelischen Position stellen häufig – von ihren religiösen Vorstellungen einmal abgesehen – eine Verbindung zwischen der Situation Palästinas und dem Einsatz Fidschis für Entkolonisierung her. Zumal Fidschi seit vielen Jahren viele UN-Blauhelme in Krisenregionen entsendet hat und diese lange auch in Israel auf den Golan-Höhen eingesetzt waren.
Zu ihren Stimmen zählt im Übrigen auch der frühere Premierminister Bainimarama, der zuvor in einem dauerhaftenKonflikt mit der damaligen Fidschi-Regierung stand und diese verließ. Er wirft nun öffentlich der jetzigen Regierung vor, sie habe dem Vermächtnis der fidschianischen PeacekeeperInnen einen schlechten Dienst erwiesen und den guten Ruf Fidschis als neutrale Friedensmacht zerstört. Er sagt: „Wir müssen uns fragen: „Mit welcher Glaubwürdigkeit werden wir die Unabhängigkeit von Gebieten wie Neukaledonien und Französisch-Polynesien unterstützen? Wir dürfen bei unserer Unterstützung für Staatlichkeit und Unabhängigkeit nicht wählerisch sein.“