Politische Berichte Nr.05/2024 (PDF)15
Aus Kommunen und Ländern

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Aus den „Wahlnachtberichten“ der Linken (Sachsen, Thüringen, Brandenburg)

01 Aus dem Wahlnachtbericht Sachsen (1.9.)
02 Aus dem Wahlnachtbericht Thüringen (1.9.)
03 Aus dem Wahlnachbericht Brandenburg (22.9.)

Thorsten Jannoff, Zusammenstellung aus folgenden Quellen: https://www.die-linke.de/fileadmin/user_upload/2024_Sachsen_Wahlnachtbericht_LTW_mit_Gewerkschaftsergebnissen.pdf, (30 Seiten), https://www.die-linke.de/fileadmin/4_Wahlen/wahlnachtberichte/Wahlnachtbericht_Brandenburg_2024.pdf (34 Seiten), https://www.die-linke.de/fileadmin/user_upload/2024_Thueringen_Wahlnachtbericht_LTW_final_mit_Gewerkschaftsmitgliedern.pdf (33 Seiten), jeweils erstellt von der Bundesgeschäftsstelle der Linken, Bereich Strategie und Grundsatzfragen

01

Aus dem Wahlnachtbericht Sachsen (1.9.)

Wer wählte Die Linke?

Die Linke wird stärker von Jüngeren und formal höher Gebildeten gewählt. Ein Drittel hat einen Hochschulabschluss, ein weiteres Drittel Abitur, ein Viertel einen Realschulabschluss. 15 Prozent der Wähler*innen bezeichnen sich selbst als Arbeiter*innen, 60 Prozent als Angestellte, 11 Prozent sind selbständig, 3 Prozent Beamte. 9 Prozent der Wähler*innen sind in Rente, 6 Prozent arbeitslos. Drei Viertel der Wähler*innen von Die Linke bezeichnen ihre eigene wirtschaftliche Situation als gut oder sehr gut, ein Fünftel als weniger gut oder schlecht.

Die Linke hat ihre stärksten Ergebnisse bei den unter 35-Jährigen. 17 Prozent der 18- bis 22-jährigen Frauen stimmten für Die Linke. Insgesamt stimmten 13 Prozent der unter 25-Jährigen für Die Linke. 20 Prozent aller Frauen unter 35 mit hohen Bildungsabschlüssen stimmten für Die Linke. Von den unter 35-jährigen Frauen in Großstädten mit Abitur oder Hochschulabschluss stimmten 29 Prozent für Die Linke. In dieser Gruppe ist Die Linke die stärkste Partei (nur 23 Prozent stimmten für die Grünen). Von den jungen Männern dieser Altersgruppe in Großstädten stimmten 19 Prozent für Die Linke. Auch hier ist Die Linke die stärkste Partei, allerdings dicht gefolgt von CDU (18 Prozent), AfD (17 Prozent), Grünen (16 Prozent) und SPD (13 Prozent).

Knapp ein Viertel ihrer Wähler*innen wählte Die Linke aus Enttäuschung über andere Parteien. Ebenso mehr als ein Viertel (27 Prozent) derjenigen, die bei der letzten Wahl noch für eine andere Parteien gestimmt haben.

72 Prozent fänden eine Beteiligung des BSW an der Landesregierung nicht gut, 22 Prozent wären dafür.

Von denjenigen, die bei der letzten Landtagswahl 2019 Die Linke gewählt haben, stimmte diesmal 33 Prozent für BSW, 10 Prozent für die CDU, 9 Prozent für AfD, 6 Prozent für die SPD, 5 Prozent für die Grünen.

Wie haben Gewerkschaftsmitglieder gewählt?

Stärkste Partei unter Gewerkschaftsmitgliedern ist die AfD (31,0 Prozent), dicht gefolgt von der CDU (29,2 Prozent). Mit deutlichem Abstand folgen wie auch im Gesamtwahlergebnis BSW (12,1 Prozent) und SPD (8,2 Prozent). Die Linke erreicht unter Gewerkschaftsmitgliedern 6,1 Prozent vor den Grünen (4,3 Prozent). 6,5 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder stimmten für „sonstige“ Parteien, 1,7 Prozent für Freie Wähler, 0,9 Prozent für die FDP.

Unter gewerkschaftlich organisierten Arbeiter*innen ist der Vorsprung der AfD noch weitaus deutlicher: Sie liegt hier mit 40,3 Prozent klar vor der CDU (27,6 Prozent). AfD und BSW (13,1 Prozent) erzielen unter gewerkschaftlich organisierten Arbeiter*innen stärkere Ergebnisse als unter den Gewerkschaftsmitgliedern insgesamt. Alle anderen Parteien einschließlich der CDU sind bei gewerkschaftlich organisierten Arbeiter*innen schwächer als insgesamt bei Gewerkschaftsmitgliedern: SPD 5,2 Prozent, Die Linke 3,7 Prozent, Grüne 2,4 Prozent, FDP 0,5 Prozent. Gleichzeitig schneiden AfD, BSW, SPD, Die Linke, Grüne und FDP besser ab unter den gewerkschaftlich organisierten Arbeiter*innen als unter Arbeiter*innen, die keine Gewerkschaftsmitglieder sind. CDU, Freie Wähler und „sonstige“ Parteien sind (etwas) stärker bei den Arbeiter*innen, die keiner Gewerkschaft angehören.

Bei gewerkschaftlich organisierten Angestellten ist die CDU stärkste Partei (28,3 Prozent) vor der AfD (25,0 Prozent). Mit Abstand folgen BSW (12,1 Prozent), SPD (10,4 Prozent), Die Linke (7,3 Prozent), Grüne (5,7 Prozent), Freie Wähler (1,9 Prozent) und FDP (1,2 Prozent). 8,1 Prozent der gewerkschaftlich organisierten Angestellten stimmten für „sonstige“ Parteien. Stärker bei Gewerkschaftsmitgliedern unter den Angestellten als bei Nicht-Mitgliedern sind SPD, Die Linke, FDP und „sonstige“ Parteien. Hingegen schneiden CDU, AfD, BSW, Grüne und Freie Wähler (etwas) stärker bei Nicht-Mitgliedern ab.

Die Linke hat ihre stärksten Ergebnisse bei gewerkschaftlich organisierten Angestellten (7,3 Prozent). Doch auch bei Angestellten, die keiner Gewerkschaft angehören (4,7 Prozent), schneidet Die Linke besser ab als unter gewerkschaftlich organisierten Arbeiter*innen (3,7 Prozent), erst recht als unter Arbeiter*innen, die nicht in einer Gewerkschaft sind (3,3 Prozent). Das gleiche Bild ergibt sich für die SPD.

Hingegen ist BSW am stärksten bei gewerkschaftlich organisierten Arbeiter*innen (13,6 Prozent). Angestellte, die Mitglied einer Gewerkschaft sind (12,6 Prozent), sowie Angestellte, die keiner Gewerkschaft angehören (12,1 Prozent), wählten BSW aber häufiger als nicht gewerkschaftlich organisierten Arbeiter*innen (11,5 Prozent).

Die AfD schneidet bei Arbeiter*innen deutlich besser ab als bei Angestellten, bei Gewerkschaftsmitgliedern unter den Arbeiter*innen etwas stärker (40,3 Prozent) als bei Nicht-Mitgliedern (38,6 Prozent). Bei Angestellten ändert eine Gewerkschaftsmitgliedschaft wenig am Stimmenanteil der AfD.

Die Grünen erreichen ihre besten Ergebnisse bei nicht gewerkschaftlich organisierten Angestellten (6,2 Prozent). Sie sind generell bei Angestellten deutlich stärker als Arbeiter*innen. Dort erreichen sie aber einen etwas höheren Stimmenanteil unter Gewerkschaftsmitgliedern (2,4 Prozent) als unter Nicht-Mitgliedern (2,2 Prozent).

Die CDU und die Freien Wähler sind generell bei Nicht-Gewerkschaftsmitgliedern stärker als bei Nicht-Mitgliedern.

Zu berücksichtigen ist bei der Interpretation dieser Zahlen, dass Gewerkschaftsmitgliedschaft nicht nur die Mitgliedschaft in DGB-Gewerkschaften erfasst, sondern auch beispielsweise die Mitgliedschaft in Gewerkschaften des Beamtenbundes.

Altersgruppen: Die stärkste Altersgruppe für Die Linke ist 70 Jahre und älter. Hier kommt Die Linke auf 20 Prozent und ist hinter der CDU die zweitstärkste Partei. Bei Erstwähler*innen kommt Die Linke auf überdurchschnittliche 17 Prozent, (bei jungen Frauen sogar auf 21 Prozent) und ist hinter der AfD mit 38 Prozent ebenfalls zweitstärkste Partei, bei den unter 25-Jährigen kommt Die Linke auf 16 Prozent.

Insgesamt schneidet Die Linke bei Frauen mit 14 Prozent leicht besser ab als bei Männern mit 12 Prozent. Allerdings verliert Die Linke im Vergleich zu 2019 in allen Altersgruppen stärker unter Frauen als unter Männern. Bei den Männern zwischen 45 und 59 Jahren erreicht Die Linke mit 9 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis.

Besonders starke Verluste erleidet Die Linke bei der Altersgruppe 60 und älter. Es lässt sich feststellen: Je älter die Wähler*innen, desto größer sind die Verluste im Vergleich zur Wahl 2019.

Abb. (PDF): Tabelle Wahlentscheidung nach Beruf

Abb. (PDF): Tabelle Wählerkonto

02

Aus dem Wahlnachtbericht Thüringen (1.9.)

Wer wählte Die Linke?

Altersgruppen: Die stärkste Altersgruppe für Die Linke ist 70 Jahre und älter. Hier kommt Die Linke auf 20 Prozent und ist hinter der CDU die zweitstärkste Partei. Bei Erstwähler*innen kommt Die Linke auf überdurchschnittliche 17 Prozent, (bei jungen Frauen sogar auf 21 Prozent) und ist hinter der AfD mit 38 Prozent ebenfalls zweitstärkste Partei, bei den unter 25-Jährigen kommt Die Linke auf 16 Prozent.

Insgesamt schneidet Die Linke bei Frauen mit 14 Prozent leicht besser ab als bei Männern mit 12 Prozent. Allerdings verliert Die Linke im Vergleich zu 2019 in allen Altersgruppen stärker unter Frauen als unter Männern.

Bei den Männern zwischen 45 und 59 Jahren erreicht Die Linke mit 9 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis. Besonders starke Verluste erleidet Die Linke bei der Altersgruppe 60 und älter. Es lässt sich feststellen: Je älter die Wähler*innen, je größer sind die Verluste im Vergleich zur Wahl 2019.

Bildung: Bei Menschen mit Hochschulabschluss und Abitur erreicht Die Linke mit 16 Prozent ihr bestes Ergebnis. Bei Frauen mit Hochschulabschluss sogar 18 Prozent, bei Männern mit mittlerem Abschluss hingegen nur 9 Prozent.

Beschäftigung: 61 Prozent der Linken Wähler*innen gibt an in Voll- oder Teilzeit berufstätig zu sein (davon wiederum 64 Prozent als Angestellte, 16 Prozent als Arbeiter, 7 Prozent Beamte und 5 Prozent Selbstständige). 30 Prozent sind Rentner*innen.

Bei Rentner*innen kommt Die Linke auf 16 Prozent der Stimmen, bei Angestellten auf 14 Prozent, bei Arbeiter*innen und Arbeitslosen2 hingegen nur auf 8 Prozent.

Regionale Besonderheiten

In Großstädten mit mehr als 50 000 Einwohner*innen kommt Die Linke auf gerundet 18 Prozent, in Mittelstädten auf 14 Prozent, in Kleinstädten auf 12 und in Landgemeinden mit weniger als 5 000 Einwohnern nur noch auf etwa 10 Prozent.

Dabei schneidet Die Linke insbesondere in wachsenden Wahlkreisen mit 17 Prozent überdurchschnittlich gut ab. Bei schrumpfenden Wahlkreisen erreicht Die Linke hingegen nur 12 Prozent.

Wähler*innen die die wirtschaftliche Lage als sehr gut oder gut bewerten sind mit 14 Prozent eher der Linken zugeneigt als Wähler*innen, die ihre persönliche wirtschaftliche Situation als weniger gut oder schlecht bewerten (10 Prozent).

Besonders gut schneidet Die Linke mit 21 Prozent unter den Wähler*innen ab, die erst weniger als 10 Jahre im Freistaat leben.

Beste und schlechteste Ergebnisse nach Alter, Wohnort, Beschäftigung

Bei jungen Menschen (<35 Jahre) in großen Städten (>50T Einwohner) ist Die Linke mit 25 Prozent (Männer) und 23 Prozent (Frauen) stärkste Partei. Schaut man nur auf junge Menschen mit hoher Bildung in Städten, ist Die Linke sogar mit großem Abstand die stärkste Partei und erreicht bei Männern 28 Prozent vor der CDU mit 18 Prozent und bei Frauen 26 Prozent vor den Grünen mit 18 Prozent.

Die schlechtesten Ergebnisse erzielt Die Linke ebenfalls bei jungen Menschen – allerdings auf dem Land (<5T Einwohner). Hier erreicht Die Linke nur 9 Prozent der Stimmen. Unter dem landesweiten Ergebnis liegt auch der Wert bei Männern auf dem Land.

03

Aus dem Wahlnachbericht Brandenburg (22.9.)

Ergebnisse Die Linke

Die Linke verlor knapp zwei Drittel ihrer Zweitstimmen und erzielt mit 3,0 Prozent das schlechteste Wahlergebnis in einem ostdeutschen Bundesland seit der Vereinigung. In absoluten Zahlen erzielte sie 44 692 Zweitstimmen, 90 866 Stimmen weniger als vor fünf Jahren. Damit ist Brandenburg das erste ostdeutsche Bundesland, in der Die Linke den Wiedereinzug in das Landesparlament nicht schafft. Bei den Erststimmen verliert Die Linke knapp die Hälfte ihrer Stimmen und erreicht landesweit 5,2 Prozent.

Die Linke erreicht 2,8 Prozent an der Urne und 3,3 Prozent bei der Briefwahl. Bei der Erststimme ist der Unterschied noch größer: 4,4 Prozent an der Urne und 6,8 Prozent bei der Briefwahl.

Wer wählte Die Linke?

Altersgruppen: Die stärkste Altersgruppe für Die Linke sind die unter 25-Jährigen. Hier kommt Die Linke auf 7 Prozent. Deutlich mehr junge Frauen (9%) als junge Männer (5%) wählen Die Linke. Auch unter den 25- bis 34-Jährigen schneidet Die Linke überproportional gut ab.

Bei Erstwähler*innen (16 bis 20 Jahre) erreichte Die Linke mit 8 Prozent ihr bestes Ergebnis unter allen Altersgruppen, bei weiblichen Erstwähler*innen 10 Prozent.

Besonders schlecht hat Die Linke bei der Altersgruppe 60 und älter abgeschnitten. Hier erreichte Die Linke unabhängig von Geschlecht 2 Prozentpunkte. Je älter die Wähler*innen, umso stärker waren die Verluste. So hatte Die Linke bei unter 25-Jährigen Verluste von 4 Prozentpunkten (2 Prozentpunkte bei jungen Frauen), bei der Altersgruppe 60 und älter jedoch einen drastischen Verlust von 11 Prozentpunkten (von 13 Prozent auf 2 Prozent).

Bildung: Bei Menschen mit Hochschulabschluss und Abitur erreichte Die Linke mit 4 Prozent ihr bestes Ergebnis, bei Frauen mit Hochschulabschluss 5 Prozent. Die Verluste sind unter allen Bildungsgraden etwa gleich groß.

Beschäftigung: 65 Prozent der Linken Wähler*innen geben an, in Voll- oder Teilzeit zu arbeiten. Davon wiederum 64 Prozent als Angestellte, 9 Prozent als Arbeiter*innen, 8 Prozent als Beamte und 3 Prozent als Selbstständige.

Bei Rentner*innen hat Die Linke – entsprechend den Ergebnissen nach Alter – unter allen Berufsgruppen am stärksten im Vergleich zu 2019 verloren (-12 Prozentpunkte auf 2 Prozent). Überproportional stark ist Die Linke mit 18 Prozent bei Personen, die noch nie berufstätig waren. Das hängt aber wohl mit der Alterszusammensetzung der Linken-Wähler*innen zusammen, die überproportional jung sind.

Unter den Beschäftigungsgruppen schneidet Die Linke überproportional bei der Angestellten (4%) ab. Nur ein Prozent der Arbeiter*innen haben Die Linke gewählt.

Regionale Besonderheiten

Die Linke war in größeren Städten erfolgreicher als auf dem Land: in großen Städten mit mehr als 50 000 Einwohner*innen kommt Die Linke auf 4 Prozent, in Klein- und Mittelstädten auf 3 Prozent und in ländlichen Gemeinden auf 2 Prozent.

Überdurchschnittlich gut schneidet Die Linke mit 5 Prozent bei Wähler*innen ab, die zwischen 10 und 19 Jahren in Deutschland leben.

Ergebnisse nach Alter, Wohnort, Ausbildung, Geschlecht

Bei jungen Menschen (<25 Jahre) in großen Städten (>50T Einwohner*innen) und mit guter Ausbildung (Abitur + Hochschule) kommt Die Linke auf 9 Prozent. Auch bei jungen Menschen auf dem Land war mit 6 Prozent bei Frauen und 4 Prozent bei Männern überproportional gut.

Die schlechtesten Ergebnisse erzielte Die Linke bei alten Männern und Frauen (>60 Jahre) auf dem Land mit geringer Ausbildung (Hauptschule + kein Abschluss) mit 1 Prozent.

Abb. (PDF): Tabelle unter div. Gesichtspunkten