Politische Berichte Nr.01/2025 (PDF)20b
Gewerkschaften/Soziale Bewegung

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Die Situation bei Ford

Dok: Gastkommentar von Hans Lawitzke Sekretär des Europäischen Betriebsrates bei Ford, aus platzjabbeck Nr. 7 vom 31.12.2024*, hier gekürzt

Die Ford-Werke haben zwei verschiedene Probleme: eines besteht in der Produkt- und Technologiestrategie, und das zweite ist eher ein taktisches und existiert wegen der aktuellen Marktbedingungen. Das große, grundlegende Problem teilt Ford mit allen anderen klassischen Autoherstellern den deutschen, den französischen, denen aus Japan und Nord-Amerika.

Nachdem Tesla 2019 ihr Werk in Shanghai aufbaute und entschied, ihre Technologie offen in die chinesische Wirtschaft einzubringen, haben die chinesischen Autobauer einen großen Sprung gemacht. Zusammen mit chinesischem Know-how im Bereich Batterien, Elektronik (Chips und Platinen) und Software erarbeiteten sie sich große Technologie-Innovationsgeschwindigkeit. Seither können diese Hersteller Elektroautos etwa 20–30 % billiger herstellen als die klassischen Firmen ihre Verbrenner.

Die klassischen Autohersteller können ihre E-Autos selbst unter Verlusten nur deutlich teurer anbieten als ihre bisherigen Fahrzeuge … Die E-Autos von Ford sind nicht profitabel und werden – auch aufgrund der im Verhältnis zum Verbrenner hohen Preise – nicht im nötigen Umfang gekauft. Zusätzlich droht auch in allen anderen Märkten außerhalb Chinas und Marktsegmenten die Verdrängung durch die neuen Wettbewerber.

Neben den Vorsprüngen in Software, Elektronik und Batterien ist die höhere Eigenfertigung „der Neuen“ ein wesentlicher Teil der Befähigung zur kostengünstigen Fertigung. BYD baut 75 % des Autos selbst; die meisten klassischen Hersteller 25 bis 30 %.

Fords Antwort auf diese Herausforderung ist: Kosten sparen, Personalabbau und Outsourcing von allem, was nicht „Kerngeschäft“ ist. Damit bewegt sich Ford aber genau in die falsche Richtung. Das kann keine Wettbewerbsfähigkeit und damit ökonomische Perspektive erzeugen … Das eher taktische Problem: Der konkrete E-Auto-Absatz in Deutschland und der EU. Der Kern des Problems ist hausgemacht. Trotzdem spielt die deutsche Gesellschaft eine Rolle. Auch wenn große Teile der gesellschaftlichen Linken das falsch fanden, so haben doch unsere Regierungen der letzten Jahrzehnte das Problem mit verursacht. Es gab keinerlei steuernden Eingriffe in Infrastruktur, Hochschul- und Forschungsausrichtung, Regulierungen der Autoindustrie zu schnellerem Umbau. All dies ist in China passiert. Die dortige Industrie ist nun in einer deutlich besseren Ausgangssituation.

Eine aktive Industrie- oder Mobilitätspolitik wird aber gar nicht diskutiert. Die verlorenen 20 Jahre (die KP China hat bereits in den 2000er Jahren die Autoindustriestrategie so festgelegt, wie sie jetzt erfolgreich ist!) lassen sich aber nicht über Nacht nachholen.

Um von diesem Totalversagen abzulenken, wird stattdessen gerade von den Neoliberalen in AfD, CDU, FDP das E-Auto kaputtgeredet. Dabei ist sowohl fürs Klima als auch für den Erhalt der industriellen Kerne eine E-Auto-Industrie nötig …

Der Ford-Gesamtbetriebsrat fordert daher von allen verantwortlichen Politikern:

– Klares Bekenntnis zur Elektromobilität

– Förderung des Kaufs von Elektrofahrzeugen

– Ausbau der Ladeinfrastruktur und bezahlbarer Ladestrom

Dies ist kurzfristig nötig – wir können nicht auf die nächste Bundesregierung warten. Wenn nämlich die Verkaufszahlen der E-Autos sich nicht erholen, wird aus der aktuell vereinbarten Kurzarbeit sehr bald eine Diskussion um die Abschaffung der zweiten Schicht im Werk Köln. Davon wären noch einmal zusätzliche 1300 Stellen betroffen.

Die aktuellen Abbaupläne des Konzerns mit 2900 neuen Stellenstreichungen in Köln haben nämlich entgegen der Ford-Propaganda gar nichts unmittelbar mit den schlecht verkäuflichen Autos aus Köln zu tun. Der Plan wurde im Grundsatz schon Anfang Juni angekündigt (ungefähr zeitgleich zum Produktionsstart des neuen Autos). Auch ist die Kölner Fertigung gar nicht betroffen von den jetzt vorgestellten Plänen. Aber: Bei der Vorstellung der Pläne ist klar kommuniziert worden, dass „weitere Maßnahmen“ ergriffen werden müssten, falls die Verkaufszahlen sich nicht erholen.

* https://www.linksfraktion-koeln.de/fileadmin/lcmslfkoeln/alles_thematisch/Platzjabbeck/Platzjabbeck_7_2024_12Seiten.pdf

Abb. (PDF): Hans Lawitzke,