* 22a-2006-uno-rechte-behinderter-detjen-u-2.html * 22b-eu-bericht-behindertenrechte-detscher-2.html * 23-historisches-zur-krueppelbewegung-gehring-2.html
Die Krüppelbewegung: Sichtbar werden – hörbar werden – Normalität herstellen
Rolf Gehring, Brüssel. Mit den politischen und sozialen Bewegungen entstanden Ende der 60er und in den 70er Jahren die sich selbst so nennenden Krüppelbewegungen, auch im deutschsprachigen Raum. Vorläufer hatten sie in den meisten Ländern, jetzt ging es aber um Teilhabe am gesellschaftlichen und um ein eigenständiges Leben. Mit dem provokanten Wort „Krüppel“ wurde auf die Stigmatisierung behinderter Menschen als Mitleidsobjekte hingewiesen.
Die österreichische Zeitschrift „LOS“ (1983–1992) formulierte in der ersten Nummer exemplarisch Ziele: „Wir verstehen unsere Zeitschrift als einen Teil einer Bewegung gegen Aussonderung […]. Wir hoffen, dass es uns gelingen wird, Missstände deutlich beim Namen zu nennen. Es ist das System selber, das radikal geändert gehört.“
Themen der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung: Hilflose Medizin, Krüppelbewegung, Absonderung im Schulwesen, Literatur, Arbeitswelt, Euthanasie und Faschismus in Österreich, Eltern am Wort, behinderte Sexualität, selbstbestimmt leben, Medien und Öffentlichkeit, Leben ohne Privatheit, Hungerstreik für Pflegegeld.
1973 konfrontieren Teilnehmer eines VHS-Kurses bei einem Go-In den Amtsleiter einer Postfiliale mit der mangelnden Barrierefreiheit. Selbstverständigung und Aktion machen aus der Behinderung immer weniger einen Gegenstand der Fürsorge als vielmehr einen politischen.
1980 sorgte ein Urteil des Frankfurter Landgerichts für Empörung. Einer Urlauberin wurde die Minderung des Reisepreises zuerkannt, da sie sich von Behinderten am Urlaubsort gestört fühlte. Etwa 5 000 Menschen kamen zu Protesten gegen das Urteil nach Frankfurt.
1981 ruft die UNO zum Jahr der Behinderten aus, verbleibt aber in den Augen der Betroffenen im Modus der Aussonderung und Fürsorge.
Ebenfalls zum Jahr der Behinderten und ebenfalls in Dortmund muss der damalige Bundespräsident Karl Carstens nach der Bühnenstürmung durch Behinderte seinen Auftritt in einem Nebensaal beenden.
Quelle: Meilensteine der Behindertenrechtsbewegung | Aktion Mensch
Abb. (PDF): Seit 1993 wird am 3. Dezember der internationale Aktionstag für die Rechte von Menschen mit Behinderungen begangen. Nach dem Ersten Weltkrieg gründeten in Österreich unter der Parole „Arbeit statt Mitleid“ eine ganze Reihe Betroffene, Selbsthilfegruppen, -organisationen und -einrichtungen sowie ReHa-Personal (wie Ärzte) und Sonderschüler die „Krüppelarbeitsgemeinschaft / Vereinigung der Körperbehindeten“ einen Dachverband. Das Faksimilie zeigt deren Mitteilungsblatt von 1933.