Politische Berichte Nr.02/2025 (PDF)15a
Aus Kommunen und Ländern

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Bundestagswahl 2025: Licht (in Köln) und Schatten (in Gelsenkirchen und Mannheim)

Thorsten Jannoff, Gelsenkirchen.

Die Linke hat bei der Bundestagswahl mit 8,8 Prozent ein überraschend gutes Ergebnis eingefahren. Für viele, die aktiv im Wahlkampf unterwegs waren, war das zum Schluss nicht mehr ganz so überraschend – an den Infoständen wuchs Woche für Woche die Zustimmung.

Ein wichtiger Grund dafür: Friedrich Merz und sein Taktieren mit der AfD im Bundestag. Besonders diejenigen junge Menschen hat das aufgerüttelt, die ihr Leben selbstbestimmt und individuell gestalten wollen, aber das eben auch in einer solidarischen Gesellschaft. Dafür braucht es bezahlbaren Wohnraum und ein respektvoller Umgang mit allen Menschen. Geflüchtete als Sündenböcke für gesellschaftliche Probleme hinzustellen, widerspricht dem.

Doch das Wahlergebnis hat auch eine üble Kehrseite: den deutlichen Stimmenzuwachs der AfD. Nicht nur fast ganz Ostdeutschland ist blau oder besser braun eingefärbt, auch im Westen konnte die AfD in Kaiserslautern und Gelsenkirchen die meisten Stimmen gewinnen. Gerade in Gelsenkirchen zeigt sich, wie sehr strukturelle Probleme den gesellschaftlichen Zusammenhalt verschlechtern. Eine unzureichende finanzielle Unterstützung durch den Bund, die fehlende Altschuldenregelungen und hohe Sozialkosten belasten die Stadt. Die Folgen des Strukturwandels – wegbrechende Sozialbindungen, soziale Unsicherheit und ein vernachlässigtes Stadtbild – verstärken das Gefühl der Entfremdung. Zudem zeigen sich die Folgen einer langen Zeit abweisenden (Nicht)Integrationspolitik, durch die – trotz mehr als 60 Jahren Einwanderungsgeschichte – die Milieus nie wirklich zusammengefunden haben, am ehesten noch im Arbeitsleben. Das tritt wegen der hohen Arbeitslosigkeit in den Hintergrund und besonders für die vielen Zugewanderten aus Südosteuropa, die oft keinen regulären Arbeitsplatz finden und eher im informellen Sektor arbeiten, gibt es kaum gesellschaftliche Anknüpfungspunkte. Gleichzeitig entstehen Nachbarschaftskonflikte durch unterschiedliche Lebenspraktiken, was bestehende Spannungen verstärkt – eine perfekte Mischung für die AfD, die Ressentiments in Rassismus verwandelt.

Im Gegensatz zu Gelsenkirchen hat Die Linke in Köln besser abgeschnitten als die AfD. Wir werfen einen Blick auf die dortigen Wahlergebnisse und aus Mannheim, mit einer detaillierten Auswertung auf Stadtteilebene, die interessante Rückschlüsse auf andere Städte ermöglicht. Außerdem dokumentieren wir eine Grafik zum Wahlverhalten der Muslime. Dort ist Die Linke – wie auch bei den jungen Menschen – stärkste Kraft geworden.

Abb. (PDF): Grafik: So haben Deutschlands Muslime gewählt