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RF-Aggression: Anzeichen strategischer Schwächen, terroristische Kriegführung
Martin Fochler, München
Nach jüngsten Meldungen stellt die Russische Föderation ihren noch in Zeiten der Sowjetunion gebauten einzigen Flugzeugträger außer Dienst. Ein zweites Schiff dieses Typs wurde 1998 nach China verkauft und dort fertig gebaut. Die seit längerem in Murmansk auf Werft liegende „Admiral Kusnezow“ war das letzte Mal 2016 bei der Intervention in Syrien im Einsatz, wegen technischer Probleme aber mit geringem Effekt. Flugzeugträger gelten als mobile Militärbasen. Sie operieren in Verbänden, deren Konzeption, Bau und Unterhalt finanziell und technisch fordernd ist. Mit dem Abschied von diesem Waffensystem ist die RF auf den Weltmeeren keine Großmacht mehr. Sie muss sich – so wie andere kleine oder mittlere Staaten auch – für den Schutz ihrer Rohstoffexporte zur See weitgehend auf internationale Konventionen verlassen. Für Denken in imperialen Traditionen eine schwere Kränkung, die kaum freiwillig erfolgt, sondern ein Eingeständnis begrenzter Ressourcen bedeutet. Die RF kann Maßnahmen zum Ausschluss von Handelsbeziehungen unterlaufen, z.B. durch Konstruktion ihrer Schattenflotte. Die Durchfahrt einer solchen Flotte etwa per Geleitzug erzwingen kann sie nicht. Sie kann auch nicht mehr, wie zuletzt vor Syrien noch einmal versucht, mit einem Verband aufkreuzen, um ein abhängiges Regime zu stützen. Dieser offenbare Machtverlust wird es der RF erschweren, Partner für die Umgehung von Sanktionen zu finden, und eine weitere strategische Schwächung nach sich ziehen.
Die Kapazitäten zur Kriegführung zwecks Eroberung der Ukraine werden von diesem in globaler Hinsicht erheblichem und langfristig wirksamen Machtverlust kurzfristig nicht betroffen. Ideologisch nicht, weil in der imperialen Logik der Verlust von Weltgeltung durch Ausdehnung des eigenen Territoriums ausgeglichen werden kann. Praktisch nicht, weil eine Verschiebung von Produktions- und Personalkapazitäten auf die Eroberung der Ukraine erfolgen kann.
Der Versuch, die Infrastruktur der Ukraine durch gezielte Angriffe zu zerschlagen und das Wirtschaftsleben zum Erliegen zu bringen, hat nicht zum Erfolg geführt. Nach unbestrittenen Meldungen gelingt es der Ukraine sogar, ihre Produktion von Abwehrwaffen zu steigern. Die RF, die mit ihren Versuchen, die Infrastruktur der Ukraine durch Luftangriffe zu zerstören, nicht erfolgreich war, hat sich nun auf breitflächigen, weit ins Land reichenden und auch auf kleine Siedlungen treffenden Terror aus der Luft verlegt. Sie operiert mir Drohnenschwärmen, die gar nicht treffsicher sein müssen, um Schrecken und Unsicherheit im ganzen Land zu verbreiten.
Findet die Ukraine Abwehrmittel, gegen diese breitflächigen angesetzten, terroristischen Angriffe? Diese müssen kostengünstig herzustellen und leicht zu bedienen sein. Die Ukraine hat bei der Produktion solcher Abwehrmittel große Fortschritte gemacht und will nun die Produktion steigern. Auch scheint es, dass die unter dem Sammelbegriff „Drohnen“ gefassten modernen Mittel zur Aufklärung von Truppenbewegungen und genau gezielten Angriffen auf Kampfverbände großräumige Vorstöße und Einkreisungsoperationen erheblich erschweren.
Die RF muss ihre zahlenmäßige Überlegenheit im verlustreichen Infanterieangriffen auf einzelne Orte zum Tragen bringen. Es bleibt aber dabei, dass die RF in der Lage ist, an jedem Punkt ihrer Westgrenzen – vom Eismeer bis zum Schwarzen Meer – zahlenmäßig überlegene Angriffsformationen aufzustellen. So wird erklärlich, dass nicht nur die Ukraine, sondern auch Estland, Finnland, Lettland, Litauen und Polen aus dem Abkommen gegen Einsatz, Herstellung und Verbreitung von Landminen austeigen. Wie die Karte zeigt, waren die USA und die RF, China, Indien sowie eine Reihe kleinerer Staaten diesem Abkommen gar nicht beigetreten. Dennoch war es ein Meilenstein der Entwicklung des „Rechts im Krieg“. Es macht etwas aus, wenn besonders grausame Mittel der Kriegführung geächtet werden. Antipersonenminen führen zu schrecklichen Verstümmelungen. Sie zu räumen ist schwierig, noch Jahre später kommt es zu Explosionen. In der Verteidigung wird dieses Kampfmittel unter Inkaufnahme eigenen Schadens eingesetzt. Eine Aggression, die ohne Rücksicht auf Verlust vorgeht, lässt sich damit nicht aufhalten, sondern nur verzögern.
Es bleibt zu hoffen, dass die Ukraine wirksame Mittel gegen die Terrorangriffe durch Drohnenschwärme findet. Eine Verbesserung der Lage an der – wie es beschönigend heißt – „Kontaktlinie“ setzt voraus, dass es gelingt, die logistischen Linien der Angriffsformationen zu treffen. Dann wäre ein Zustand denkbar, in dem das Regime Putin sieht, dass es durch weitere Verweigerung eines Waffenstillstandes mehr verlieren als gewinnen dürfte.
• de.wikipedia.org/wiki/Admiral_Kusnezow • de.wikipedia.org/wiki/Liste_aktiver_Flugzeugtr%C3%A4ger • de.
Abb. (PDF): Antipersonenminenabkommen. Weltkarte
wikipedia.org/wiki/%C3%9Cbereinkommen_%C3%BCber_das_Verbot_des_Einsatzes,_der_Lagerung,_der_Herstellung_und_der_Weitergabe_von_Antipersonenminen_und_%C3%BCber_deren_Vernichtung