Politische Berichte Nr.02/2025 (PDF)22c
Kalenderblatt

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Das lesende Frauenzimmer * – Frauenzeitschriften im 18. Jahrhundert

01 Die Reaktion kontrafaktisch: „Bäuerinnen brauchen keine Bildung“

Eva Detscher, Karlsruhe. „Anfang des 18. Jahrhunderts wurden die Frauen als Lesepublikum entdeckt. Der Autorin Sabine Schuhmann ist wichtig, dass der Zugang zum Lesen den Frauen der kleinen Schicht von Adel und Bürgern vorbehalten blieb – sie spricht von 10 % der Bevölkerung. Daher wurde den weiblichen Adressaten von Frauenzeitschriften das Angebot gemacht, von der ‚reinen Haushälterin zur gebildeten Hausfrau‘ zu werden. Im ausgehenden 18. Jahrhundert spielten laut Schuhmann Schriften wie das ‚Frauenzimmerlexikon‘, 1715 von Gottlieb Siegmund Corvinus, oder der 1751 von Charlotte Ziegler herausgegebenen ‚Grundriß einer Weltweisheit‘ neben sogenannten ‚Frauenzimmerbibliotheken‘ mit konkreten Lesevorschlägen für das weibliche Lesepublikum als Beilage zu vielen moralischen Wochenschriften eine große Rolle. (…) ‚geistlich erbauliche Schriften … aus Gebieten der Geschichte, Geographie, Naturkunde, schöne Literatur und – nicht zu vergessen – der Ökonomie, d.h. der Haushaltungslehre.‘ Es sollen zwischen 1700 und 1800 insgesamt 85 als spezifische Frauenzeitschriften herausgegebene Publikationen gewesen sein, 41 davon werden von Schuhmann vorgestellt. Sie fasst zusammen: ‚Den Frauenzeitschriften … kommt eine besondere Bedeutung zu: sie sind Forum dieses Widerstreits von Fortschritt und Reaktion. Sie stellen keinen monolithischen Block dar, sondern zeigen Ansätze einer Neuorientierung des tradierten Frauenselbstverständnisses.‘“

*) „Das lesende Frauenzimmer“ stammt aus dem Sammelband „Die Frau von der Reformation zur Romantik“, 1980 in Texas herausgegeben von der Germanistik-Professorin Barbara Becker-Cantarino. Es war ihr Ansinnen, das jeweilige Thema „aus der Sicht der Frau und unter Infragestellung der Rolle oder Situation der Frau“ zu behandeln, es wird die Frage nach dem „Selbstverständnis der Frau, dem Beitrag, dem Rollenverhalten der Frau oder nach der Bedeutung und dem Einfluss auf die Frau gestellt“. (Zitate aus ihrem Vorwort), ISBN 3-416-01603-3

Abb. (PDF): www.habsburger.net/de/kapitel/lesen-lesen-lesen

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Die Reaktion kontrafaktisch: „Bäuerinnen brauchen keine Bildung“

Es hat nicht an Einwänden gegen den allgemeinen Zugang zur schulischen Bildung für Mädchen gefehlt: es würde die Bauernmädchen zu „Bequemlichkeit und Müßiggang, zu Nascherei und Genußsucht“ verleiten.

„Eine tüchtige Bäuerin ist Tag und Nacht so beschäftigt, das sie keine Viertelstunde Zeit findet, … um ,feinere‘ Handarbeiten vorzunehmen. Jede wirtschaftliche Bäuerin hat für die nothwendigsten Arbeiten dieser Art eine Näherin auf ,Stöhre‘. … Die Mägde, die musterhaft ihren Stall regierten und mit ängstlicher Sorgfalt und mit wahrhaft unermüdlicher Fürsorge um jede Kuh und jedes Kalb bekümmert … sie sind verschwunden.“ (G. Ratzinger, 1844 bis 1899, Theologe und Parteipolitiker)

Dazu passend Polemiken gegen den emanzipierten Zugang zu Schule auch zur höheren Schule und zum Abitur und Studium:

„Neuerdings ist wieder von gelehrten Professoren (gelegentlich der Mädchenschuldebatten) in Schriften und Vorträgen betont worden, daß dem Weibe, durch zu viel Wissen nicht nur die Herzensbildung, auch die Unmittelbarkeit ihres Empfindens und Urteilens verloren gehe. Einer der Professoren fügte sogar spöttisch hinzu: ,Man wolle wohl die Natur des Weibes orthopädisch korrigieren.‘ ,Je mehr Wissen man den Mädchen aufpfropft, je dümmer werden sie.‘ Im Reichstage fiel diese männerkluge Äußerung.“ (Hedwig Dohm,1831 bis 1919, Schriftstellerin, Frauenrechtlerin). Zitate aus: „Frauen. Ein historisches Lesebuch“, hrsg. Andrea van Dülmen, Beck’sche Reihe, 3. Aufl. 1990